Swiss Real Estate Institute | Prof. Dr. Peter Ilg, Institutsleiter
Die Knappheit bei Mietwohnungen ist ein grosses Thema in der Schweiz. Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich: Das Problem betrifft nicht das ganze Land, sondern konzentriert sich auf rund sieben Städte – Genf, Lausanne, Bern, Zürich, Zug, Luzern und Chur. In diesen urbanen Zentren sind die Mieten in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Unser Institutsleiter Prof. Dr. Peter Ilg ordnet die Situation ein und beleuchtet, wer von der Knappheit profitiert und wer darunter leidet.
Die Gewinner der Wohnungsknappheit
Steigende Mieten haben mehrere Profiteure:
- Der Staat: Höhere Mieteinnahmen bedeuten höhere Gewinne für die Besitzer von Mietwohnungen – und damit auch höhere Steuereinnahmen für Bund, Kantone und Gemeinden.
- Pensionskassen und ihre Versicherten: Erstaunlicherweise sind praktisch alle Schweizerinnen und Schweizer mit einer Pensionskasse indirekt Mietwohnungsbesitzer. Rund 20 Prozent des Pensionskassenkapitals ist in Immobilien – insbesondere Mietwohnungen – investiert. Steigende Mieten führen zu einer höheren Verzinsung des Alterskapitals und letztlich zu höheren Renten.
- Private und institutionelle Investoren: Versicherungen, börsenkotierte Immobiliengesellschaften und deren Aktionäre profitieren ebenfalls. Dabei ist der Zugang niederschwellig: Aktionär einer börsenkotierten Immobiliengesellschaft kann man bereits mit wenigen hundert Franken werden.
Die Verlierer der Wohnungsknappheit
Auf der anderen Seite stehen die Mieterinnen und Mieter, die in diesen sieben Städten eine neue Wohnung suchen müssen. Sie werden mit deutlich höheren Mieten konfrontiert. Besonders kritisch ist die Situation für einkommensschwache Haushalte: Sie können sich die teuren Mieten in den Stadtzentren nicht mehr leisten und werden in günstigere Vororte verdrängt – oft verbunden mit langen Pendlerwegen zum Arbeitsplatz.
Fazit
Eine Stadt muss für alle Einkommensklassen Wohnraum bieten können. Für diejenigen, die verdrängt werden, braucht es flankierende Massnahmen. Was genau es braucht, beleuchten wir im nächsten Beitrag.
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