Forschung für die Praxis
Swiss Real Estate Institute - Wohnschutzinitiative 3
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Wohnungsnot marktwirtschaftlich lösen: Funktioniert das Modell in der Praxis?

Swiss Real Estate Institute | Prof. Dr. Peter Ilg, Institutsleiter

Im zweiten Beitrag unserer Serie haben wir gezeigt, wie Wohnungsnot entsteht: Mietzinsdeckel drücken die Preise künstlich nach unten, was die Nachfrage steigert und das Angebot reduziert. Doch was wäre, wenn man den Markt einfach spielen liesse? In unserem dritten Video-Beitrag geht Prof. Dr. Peter Ilg, Institutsleiter des Swiss Real Estate Institute, der Frage nach, ob die marktwirtschaftliche Lösung auch in der Praxis funktioniert – und was das für Mieterinnen und Mieter konkret bedeuten würde.

Was sagt das volkswirtschaftliche Modell?

Das Modell ist klar: Lässt man den Markt frei spielen, pendeln sich Angebot und Nachfrage auf einem Gleichgewichtspreis ein. Steigen die Mieten, wird es für Investoren attraktiver, mehr Wohnraum zu produzieren. Das zusätzliche Angebot dämpft wiederum den Preisanstieg. Wohnungsnot – also ein struktureller Nachfrageüberhang – sollte so gar nicht erst entstehen.

Funktioniert das auch in der Realität?

Das Swiss Real Estate Institute hat diese Frage empirisch untersucht – mit klaren Ergebnissen:

  • Gesamtschweiz: Eine Studie der Universität St. Gallen (HSG) zeigt, dass bei einem Mietpreisanstieg von 10 Prozent die Produktion von Mietwohnungsfläche um rund 15 Prozent steigt. Der Markt reagiert also preiselastisch – und sogar überproportional.
  • In den Städten: Die Untersuchung des Swiss Real Estate Institute für die betroffenen Ballungszentren zeigt ebenfalls eine Preiselastizität, allerdings schwächer ausgeprägt: Bei einem Mietpreisanstieg von 10 Prozent steigt die Wohnraumproduktion um rund 5 Prozent. Weniger als im Landesdurchschnitt – aber der Markt reagiert.

Was bedeutet das für Mieterinnen und Mieter?

Lässt man den Markt spielen, steigen die Mieten. Für Mieter gibt es dann zwei Optionen: mehr bezahlen oder den Flächenkonsum leicht reduzieren. Aktuell liegt der Wohnflächenkonsum in der Stadt Zürich bei rund 40 bis 42 Quadratmetern pro Kopf. Bei einem Mietanstieg von 10 Prozent und gleichbleibendem Budget müsste man auf etwa 36 Quadratmeter reduzieren – durchaus zumutbar.

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt: In den 1970er-Jahren lag der Flächenkonsum in Zürich bei nur 30 Quadratmetern pro Kopf – und die Menschen haben gut gelebt. Eine moderate Reduktion des Flächenkonsums ist also kein Komfortverlust, sondern eine Rückkehr zu historisch normalen Verhältnissen.

Der doppelte Effekt

Würde der Flächenkonsum beispielsweise um 25 Prozent sinken, hätte das zwei positive Effekte: Erstens würden Wohnungen frei, weil weniger Fläche pro Kopf beansprucht wird. Zweitens würde durch die höheren Mieten zusätzlich mehr Wohnraum produziert. So liesse sich die Wohnungsnot in den Städten rein marktwirtschaftlich entschärfen.

Fazit

Die Empirie bestätigt das Modell: Der Markt reagiert auf steigende Preise mit mehr Angebot – auch in den Städten. Eine marktwirtschaftliche Lösung ist möglich, erfordert aber die Bereitschaft, moderate Anpassungen beim Flächenkonsum zu akzeptieren. Ob das allein reicht oder ob es zusätzliche Massnahmen braucht, beleuchten wir im nächsten Beitrag.

Zum Videobeitrag: https://youtu.be/aXz2uhrSQw0

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